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Die Sanierung von Oper und Schauspielhaus Köln steht vor der Vollendung

Aus Stadt intern, Sommer 2025, aktualisiert Redaktion KölnerLeben Oktober 2025 · 29.01.2026

Silberstreif überm Bühnenrand. Foto: Thomas Banneyer

Silberstreif überm Bühnenrand. Foto: Thomas Banneyer

Nach mehr als zehn Jahren Bauzeit nähern sich Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleines Haus ihrer Fertigstellung. Ein Rundgang über die Großbaustelle im April 2025 zeigt die Verbindung von bewahrter Originalsubstanz und moderner Technik.


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Der eiserne Vorhang hebt sich wie geölt und enthüllt das Zuschauerrund der Kölner Oper. Die 1.300 Stühle sind zwar noch nicht gepolstert, und auch bühnentechnisches Equipment wie spezielle Scheinwerfer und das Regiemischpult werden erst installiert, wenn das Gebäude „staubfrei“ ist. Doch ein Rundgang macht deutlich: Die Sanierung und der Umbau von Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleinem Haus sind auf der Zielgeraden. Die Bauarbeiten haben deutlich an Fahrt gewonnen, freut sich die im Juli 2024 neu installierte Doppelspitze aus Markus Greitemann, dem städtischen Beigeordneten für Planen und Bauen als technischer Betriebsleiter, und dem renommierten Projektmanager Prof. Jürgen Marc Volm, Gründer eines Unternehmens für Projektorganisation bei Bauprojekten.

In den Verwaltungstrakten fehlt nur noch das Mobiliar, in den Teeküchen sind bereits die Mikrowellen vorhanden. Zurücklehnen will sich jedoch noch niemand. „Auch jetzt tauchen immer wieder noch unvorhergesehene Schwierigkeiten auf, die wir bewältigen müssen“, sagt Volm. „Aber ich habe das Gefühl, wir haben es nun im Griff.“

Klebezettel markieren Gewerke

In den Griff bekommen hat er die riesige Baustelle unter anderem durch die Umstellung der Organisation. „Um den Wald vor lauter Bäumen wieder zu sehen“, hat er das Projekt in elf Teilprojekte untergliedert. Im Chorsaal im ersten Stockwerk hat er eine Art Kommandozentrale eingerichtet, wo sich die Teilprojektleiter jeden Morgen mit den ausführenden Firmen über den Stand der Arbeiten abstimmen und die noch anstehenden Arbeiten kontrollieren, justieren und koordinieren.


Die Baubesprechung erfolgt digital und analog. Die Zahl der Notizzettel an der Wand für die Planungsübersicht ist beachtlich. Foto: Thomas Banneyer

Die Wände sind mit großen Wochenplänen gesäumt, auf denen hunderte Notizzettel – jedes Gewerk in einer anderen Farbe – anzeigen, was wann wo noch zu tun ist. In Zeiten der Digitalisierung ein ungewohntes Bild, „aber es verschafft uns den nötigen Überblick“, erzählt Volm. Denn eine Baustelle dieser Komplexität ist auch für einen erfahrenen Projektleiter wie ihn eine Herausforderung. Immerhin arbeiten in den insgesamt vier Häusern mit 2.200 Räumen auf bis zu zehn Etagen täglich bis zu vierhundert Menschen. Egal ob draußen der Rosenmontagszug oder die Fronleichnamsprozession vorbeizogen, überall im Haus wurde in den vergangenen Monaten gehämmert und gebohrt.

Ein Denkmal wird restauriert

Das denkmalgeschützte Bauensemble, von Wilhelm Riphahn in den 1950er Jahren als Zeichen des Aufbruchs und der Moderne entworfen, hat seinen alten Glanz zurückgewonnen – mit viel Liebe zum Detail. Die Opernfans werden das schon im Foyer erkennen. Die Lochdecke in elf Metern Höhe leuchtet wieder wie am ersten Tag in strahlendem Blau – durch sorgfältige Recherche wurde die ursprüngliche Farbgebung, die mit den Jahren verblasst ist oder geändert wurde, ermittelt und genau rekonstruiert.


Das Foyer mit der restaurierten Lochdecke im April. Foto: Thomas Banneyer


Im September 2025 leuchtet die Decke in strahlendem blau. Foto: Costa Belibasakis

Jede Umrandung der 140.000 Löcher wurde nach den Vorgaben des Denkmalschutzes per Hand ausgemalt – „Sie können sich vorstellen, wie viel Über-Kopf-Arbeit das war“, sagt Volm. Auch die großen Glasscheiben im Foyer wurden erneuert und isolieren nun besser, während die alten Metallrahmen lediglich restauriert wurden. „Umbau und Sanierung eines denkmalgeschützten Baus erfordern oftmals Kompromisse“, erklärt Volm. Verschlissene Teile, wie die alte Polsterung im Zuschauerraum, wurden und werden originalgetreu ersetzt. Aber wo möglich, blieben die ursprünglichen Bauteile erhalten.

Digitalisierung statt Muskelkraft

Der Gebäudekomplex wurde nicht nur baulich erneuert, sondern vor allem auch technisch auf den neuesten Stand gebracht. Komplett modernisiert wurde unter anderem die Bühnentechnik. Früher mussten Prospekte, also der gemalte Hintergrund einer Bühne, deren Wände und andere Elemente der Dekoration bei einem Kulissenwechsel per Hand an Lasttauen in den acht Meter hohen Bühnenturm, auch Schnürboden genannt, hochgezogen oder herabgelassen werden. Künftig lassen sich Ziel und Fahrgeschwindigkeit der Kulissenteile am Touchscreen des Steuerpultes programmieren und elektronisch steuern.

Rund 13 Jahre sind seit Beginn der Arbeiten ins Land gezogen, die Kosten haben sich vervielfacht. Die reinen Baukosten belaufen sich auf 798,6 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung von Bauzeitzinsen, laufenden Finanzierungskosten nach Fertigstellung sowie den Kosten für die Interimsspielstätten ergibt sich ein Gesamtvolumen von 1,473 Milliarden Euro.


Der Bühnenbereich der Oper ist weitgehend fertiggestellt. Dort wurde die Technik komplett erneuert. Fotos: Thomas Banneyer

Doch die großen Probleme, etwa mit der Haustechnik und insbesondere der Lüftung, sind gelöst. Während im Foyer noch gearbeitet wird, sind andere Bereiche wie Büros, Werkstätten, Kostümfundus und Bühnenbereich bereits fertig. Es sind nur noch Restarbeiten zu erledigen, bevor das Sanierungsteam die Häuser an die Ensembles von Oper und Schauspiel zurückgeben kann. Nach der baulichen Fertigstellung folgen Wirk-Prinzip- Prüfungen, bei denen das Zusammenspiel der technischen Anlagen kontrolliert und getestet wird. Die Inbetriebnahme der technischen Anlagen in den jeweiligen Teilprojekten wird durch Sachverständige bereits vorbereitet. Die Bühnen mit ihren rund achthundert Beschäftigten werden ihre Häuser dann nach ihren Bedürfnissen einrichten und in die Innenstadt zurückziehen.

Als eine ihrer letzten Amtshandlungen gab Oberbürgermeisterin Henriette Reker am 1. Oktober bekannt, dass der „reguläre“ Spielbetrieb am Offenbachplatz im September 2026 wieder aufgenommen wird – mit einem großen Fest am 19./20. September. Das wäre wirklich ein Grund zum Feiern.

Informationen

Interimsspielstätten
Oper Köln und Kinderoper
im Staatenhaus, Rheinparkweg 1
Programm: www.oper.koeln

Schauspiel Köln
im Carlswerk, Schanzenstr. 6–20
Programm: www.schauspiel.koeln

Tanz Köln
Im Staatenhaus und Depot 1 / 2
im Carlswerk
Programm: www.tanz.koeln

Vorverkauf:
In den Opern Passagen zwischen Breite Straße und Glockengasse
Tickethotline: 0221 / 221-2 84 00

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Tags: Bauprojekt , Baustelle , Eröffnung , Köln , Oper , Rundgang , Sanierung , Schauspielhaus , Theater , Umbau

Kategorien: Kultur , Unser Köln