Unser Köln
Wenn Seniorinnen auflegen: das DJ-Kollektiv „Forever Fresh“
Marie Breer · 10.04.2026
„Forever Fresh“. Foto: © Christian Hedel
Die ersten Beats wummern aus den Boxen, schnell füllt sich die Tanzfläche mit Gästen. „Einfach großartig!“, sagt DJ „Lady Jane“ hinterm Mischpult und strahlt. Eigentlich heißt sie Monika Pausch-Körner, ist 81 Jahre alt und gehört zusammen mit neun anderen Frauen zum DJ-Kollektiv „Forever Fresh“. Fast alle sind über 70, und was sie können, haben sie im April 2025 erstmals beim „c/o pop Festival“ gezeigt. Und bei ihren Auftritten wie hier fast ein Jahr danach im Kölner Tsunami Club.
Lebensfreude, Leidenschaft für Musik und die Lust auf Umgang mit Technik wie Mischpulten verbinden die Frauen. Das Handwerk dafür erlernten sie 2025 durch ein neues Projekt des c/o pop Festivals und des Landesmusikrats NRW. Die Idee, einen Kurs für über 70-jährige Frauen anzubieten, stammt von Festival-Chefin Elke Kuhlen, ihr fehlten Ältere in der Clubszene.
Schluss mit Zurückhaltung im Seniorenalter
Die Resonanz auf den Aufruf war groß. Als die 72-jährige Edeltraud Stecher-Breckner im SeniorenNetzwerk Neustadt-Süd den Aufruf las, war sie sofort begeistert. Unter ihrem Künstlernamen „DJ EdiTion“ ist sie jetzt mit Spaß dabei. Auch Uschi Ophir, heute „DJ Timeless“, und Elisabeth Wagner alias „DJ Timothy“ waren durch einen Flyer direkt angetan. Monika Pausch-Körner ist seitdem ebenfalls dabei. „Von selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen“, erzählt sie. „Früher hieß es immer: Sei zurückhaltend, dränge dich nicht in den Vordergrund. Ich war brav.“
Angeleitet von Expertinnen unter der Leitung von DJ Pia Leonhardt lernten sie alle den Umgang mit den technischen Geräten und das Mixen. Auch auf dem Stundenplan standen das richtige Styling, die beste Art aufzutreten und wie man sich in den Medien gut präsentiert.

Keine Angst mehr vor einem Meer aus Knöpfen und Reglern haben (von links) die DJs InGroove, Timothy, Lady Jane und LoKa. Foto: © Marie Breer

Das „Drei-Generationen-Trio“ (von rechts nach link) Erika Lathegan (82) mit Tochter Erika (57) und Enkelin Liz (24) tanzt im Tsunami Club begeistert zur Musik der Forever Fresh-DJs. Foto: © Marie Breer
Auftritte im Tsunami Club
Edeltraud Stecher-Breckner erinnert sich gut an ihren ersten öffentlichen Auftritt am DJ-Pult: „Ich dachte: Wow, wie geil ist das denn? Eine unglaubliche Freude!“ Der Saal habe gebebt, und die Leute hätten getobt. Das ist im Tsunami Club wie bei den drei anderen vorangegangenen Shows in Köln und einer in Berlin nicht anders. Fast alle Ladys sind dabei. Nur die 91-jährige Irmgard Schlösser, Miss Crazy Irma, hat sich zur Ruhe gesetzt. Denn es ist auch anstrengend, drei Stunden lang eine bunte Gästeschar zum Toben zu bringen. Mittendrin auf der vollen Tanzfläche ein „Drei-Generationen-Trio“, das den Altersschnitt der Gäste besonders anschaulich macht: Erika Lathegan (82) mit Tochter Erika (57) und Enkelin Liz (24). Sie genießen die Stimmung, das Tanzen und die Performance der Forever-Fresh-Ladies. Und die freuen sich sichtlich, im Rampenlicht zu stehen und Spaß an ihrer Musik zu verbreiten.
Den Geschäftsführer des Tsunami Clubs, Jakob Holterhöfer, haben sie auf jeden Fall überzeugt, dass Feiern und Partymachen keine Frage des Alters ist. Entdeckt hat er „Forever Fresh“, als er sich entschlossen hatte, Diversität auf den Kölner Club-Bühnen zu fördern und im März ein Programm möglichst nur mit Frauen zu bestreiten. Seine Recherchen führten ihn zu der c/o pop-DJ-Gruppe – und seine Erwartungen an sie wurden mehr als erfüllt. Er bot ihnen an, einmal im Monat beim Sonntags-„Daydance“, also tagsüber, aufzulegen und die Hütte zum Brennen zu bringen.
Lady Jane genießt heute das Rampenlicht. Ihre Zurückhaltung hat sie längst aufgegeben. Ihre Markenzeichen: ein freches rotes Kleid vom Flohmarkt und eine rote Baskenmütze.
Wie sind die Altersgruppen und Geschlechterrollen in der DJ-Szene verteilt? Gibt es heute mehr weibliche oder alte DJs?
Hintergrundwissen:
Die DJ-Szene ist international und noch immer stark männlich geprägt. Weibliche DJs sind seit den späten 1960er Jahren in der Musikszene aktiv. In der Regel sind es junge Frauen. Ältere Frauen sind rar, doch es gibt sie. Bekannt in ganz Europa ist DJ Vika – die Polin Wirginia Szmyt, Jahrgang 1937, die noch immer in Clubs auflegt und über deren Leben sogar ein Film in die Kinos kam („Vika!“). Für weibliche DJs ist in den 1990er Jahren der Begriff „DJane“ entstanden, der mittlerweile als veraltet und sexistisch angesehen wird. „DJ“ (Abkürzung von Discjockey) ist eine geschlechtsneutrale Bezeichnung, den auch die Ladys von Forever Fresh bevorzugen.
Titelbild: Die DJs (von links): Irmgard Schlösser (Miss Crazy Irma), Bettina Schumann (LoKa), Edeltraud Stecher-Breckner (EdiTion), Elisabeth Wagner (Timothy), Ingrid Jatho (InGroove), Margitta Uckermann (Soundgedöns), Anna-Elisabeth Connemann (Ätänschen), Ingeborg Dobrinski (Seladon), Monika Pausch-Körner (Lady Jane), Uschi Ophir (Timeless)
Informationen
c/o pop Festival
Mittwoch, 15. bis Sonntag, 19. April 2026
Es findet an verschiedenen Orten in Ehrenfeld wie dem Bürgerzentrum Ehrenfeld, Herbrands, Cinenova, Club Bahnhof Ehrenfeld und vielen anderen statt. Nur die Eröffnung ist im Schauspiel Köln.
Mittwoch, 15. April, 19.30 Uhr
Eröffnungsshow mit Fuffifufzich
Schauspiel Köln
Samstag, 17. April, 20.15 bis 21.45 Uhr
Forever fresh
Bürgerzentrum Ehrenfeld, Venloer Str. 429
Party mit vielfältigem Programm von Housemusik über Trance und Soul bis hin zu African Beats.
Zugang nur über Tagesticket.
Tagestickets 40 Euro online buchbar unter: www.c-o-pop.de/artists/forever-fresh
Open Air Samstag, 15. 4. und Sonntag, 16.4. auf der Venloer Straße zwischen Franz-Geuer-Str. und Ehrenfeldgürtel. Samstag teilweise kostenfrei, Sonntag den ganzen Tag!
Alle Informationen: www.c-o-pop.de/
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Tags: Alter , Clubszene , Dj , Festival , Musik , Tsunami Club