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Unser Köln

Die Schwebebahn in Köln

Klaus Hausmann, Wegen de Leut media · 06.02.2026

Versuchsstrecke der Schwebebahn in Holzbauweise, kolorierte Reproduktion. Foto: Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Versuchsstrecke der Schwebebahn in Holzbauweise, kolorierte Reproduktion. Foto: Deutsche Fotothek / Unbekannter Fotograf

Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine Stadtbahn, die visionär war. Erkunden Sie ein Stück Kölner Stadtgeschichte.

Der Erfinder und Gründer der Gasmotoren Deutz AG Eugen Langen hatte Ende der 1880er Jahre die Idee, dass die Hochbahntechnik für den Personentransport geeignet sein könnte. Bis dahin hatte er sie zum Rohstofftransport in seinen Zuckerfabriken eingesetzt. Es gelang ihm, die Firma Van der Zypen & Charlier und die Schuckert & Co. Elektrizitäts-AG von seiner Idee zu überzeugen. Zusammen baute man ab 1893 zwei Teststrecken für die Hochbahn.

Vom Verkehr unabhängige Stadtbahn

Da man sich während der Fahrt fühlte, als ob man schweben würde, nannte Langen seine Prototypen „Schwebebahn“. Die Teststrecke auf dem Gelände der Waggon- und Maschinenfabrik Van der Zypen & Charlier diente zur Erprobung und zur Demonstration einer Stadtbahn, die auch in dicht besiedelten Städten die Verkehrssituation auf den Straßen kaum beeinträchtigte. Die verwendeten Wagen waren komplett aus Eisen gebaut und hingen an Schienen, die an Stahlträgern befestigt waren.

Die zweite Strecke in Deutz führte am Rhein entlang parallel zum damaligen Güterbahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn bis in das heutige Messegelände hinein. Sie war mit eisernen Rohren und hölzernen Telegrafenmasten als Träger einfacher konstruiert und sollte zeigen, dass sie auch durch eine Wüste oder anderes unwegsames Gelände führen könnte.

Erfindung einer innovativen Technik

Eine solche leicht realisierbare Bahn war gegen Sandverwehungen, Überflutungen und Unkrautüberwucherungen geschützt. Die beiden Teststrecken wurden von vielen nationalen und internationalen Interessenten besucht, ohne dass es zu Bestellungen kam. Im Sommer des Jahres 1896 besuchte Li Hongzhang sie als Gesandter des chinesischen Kaisers im Rahmen einer diplomatischen Weltreise. Nach dem offiziellen Programm mit zweihundert Ehrengästen war der Gesandte besonders von der einfacheren Schwebebahn beeindruckt, deren Einsatz ihm in der Mongolei oder Mandschurei möglich erschien.

Am folgenden Tag besuchte Li Hongzhang die Teststrecke überraschend erneut, um sich über weitere Einzelheiten informieren zu lassen – doch leider blieb die Bestellung aus. Schließlich entschloss man sich in Elberfeld und Barmen, die Schwebebahn zu nutzen, und begann 1898 mit dem Bau. Nach knapp drei Jahren wurde der erste Streckenabschnitt eröffnet.

Eugen Langen sollte das leider nicht mehr erleben, da er 1895 an den Folgen einer Fischvergiftung verstarb. Die Schwebebahn wurde zum denkmalgeschützten Wahrzeichen der Stadt Wuppertal und transportiert zuverlässig bis heute jeden Tag durchschnittlich 82.000 Fahrgäste. Langen ging als einer der innovativen Unternehmer, die Köln Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem technologisch bedeutenden Standort machten, in die Stadtgeschichte ein.

Wegen de Leut media
Klaus Hausmann
Besselstr. 22,
51065 Köln
Tel. 0221 / 473 08 68
www.wegen-de-leut.de/dashistorischekoeln/

Sehen Sie hier ein YouTube-Video aus der Reihe Kölner Bilder und welche Geschichten sie erzählen.


Quelle: wegendeleut / YouTube

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Tags: Bahn , Erfindung , Historie , Schwebebahn , Stadtbahn , Stadtgeschichte , Technik

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