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Digitale Welt

Online-Dating Ü50 – Risiko oder Chance für die Liebe?

Philipp Haaser · 29.09.2026

Symbolbild: © amrothman / Pixabay

Symbolbild: © amrothman / Pixabay

Immer mehr Menschen suchen online nach einer Partnerschaft oder einem Abenteuer. Welche Herausforderungen gibt es, und was sollte man beachten? Was sagt die Expertin und welche Erfahrungen haben Senioren in Köln mit der Partnersuche im Internet?

„Magic hoch 100“, so beschreibt Renate Kaiser den Moment, in dem sie ihren zweiten Mann kennenlernte. Rund vierhundert Treffen hatte sie damals hinter sich, die fast alle über Partnerbörsen im Internet zustande gekommen waren. Mittwochs, freitags, samstags und sonntags traf sie sich, oft mehrmals am Tag.

Sie erlebte lustige Abende, führte interessante Gespräche und musste so manche Enttäuschung verkraften. „Das war mein Leben, fünfeinhalb Jahre lang“, sagt sie. Heute ist sie 62, wieder verheiratet und hat ein Buch mit dem Titel „Ich date, also bin ich“ über diese Zeit geschrieben.

Sie dürfte damit für die erste Single-Generation über 50 Jahre stehen, die sich ins online-gestützte Liebesleben stürzt. Ob Parship, ElitePartner, E-Darling, Tinder, Bumble, Hinge: Tausende Plattformen versprechen das große Glück, eine leidenschaftliche Affäre oder ein bisschen Geselligkeit.

Laut einer aktuellen Befragung des Branchenverbands Bitkom werden Online-Dating-Dienste von einem Drittel der Menschen zwischen 50 und 59 und einem Viertel der Menschen ab 60 Jahren genutzt. Von Männern ein wenig häufiger als von Frauen.

So beginnt die Partnersuche


Renate Kaiser bei ihrer Hochzeit Foto: freigeist68foto

Renate Kaiser war Mitte fünfzig, als sie sich nach ihrer Scheidung auf die Suche nach einem festen Partner machte. Ihre Vorstellungen waren konkret. Akademiker, kulturinteressiert und sportlich sollte er sein. Immer wenn sie auf den Profilseiten die Bilder der Single-Männer betrachtete, fragte sie sich, ob sie sich einen Kuss vorstellen konnte.

In ihrem eigenen Profil beschrieb sie ihre Wünsche. Sie suchte keinen Versorger, war als Angestellte im öffentlichen Dienst finanziell unabhängig und wollte sich für niemanden verbiegen. Sie lud Bilder im „kleinen Schwarzen“ hoch ebenso wie in Jeans und Lederjacke.

Sie begann ihre Reise auf der Plattform Parship und wechselte später zu ElitePartner. Sie war im letzten Jahr ausschließlich auf Tinder unterwegs, einer App, die meistens auf dem Handy genutzt wird. Das Swipen, also das Wischen der Fotos der vorgeschlagenen Partner nach rechts für „Sympathie“ oder links für „nicht wieder anzeigen“, hat Tinder bekannt gemacht.

Dating im Alter

„Das Wischen ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Prof. Wera Aretz, Dating-Expertin und Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius. Sie hat zum Online-Dating geforscht und ordnet die Entwicklung ein. Menschen seien heute älter, wenn sie heirateten, die Ehen hielten nicht so lange, die Frauen seien unabhängiger. Die Folge: Viele sind mit Mitte fünfzig noch einmal auf dem Beziehungsmarkt.

Menschen in diesem Alter seien beruflich stark eingespannt. Dazu passe die Effizienz der Plattformen. „Das ist natürlich weniger romantisch“, sagt Aretz. Allerdings sei die Vorstellung, es gebe online eine unbegrenzte Auswahl, eine Illusion. „Wenn ich mich durch die Kölner Singles klicke, bin ich in zwei Tagen durch“, sagt sie.


Manche Treffen sind mühsam, etwa, wenn einer nur von sich erzählt. Foto: iStock.com/SolStock

Insbesondere bei Frauen über sechzig sei die Angst groß, etwas falsch zu machen. Viele Neulinge lassen sich von Freunden helfen, die bereits Erfahrungen gesammelt haben. Originell, eher kurz und nicht zu ernst: So lauten die Ratschläge in der Regel.

Achtung Betrugsmaschen

Fotos sollten aktuell und aussagekräftig sein. Ein gesundes Maß an Vorsicht ist bei der Kontaktaufnahme geboten. Aretz warnt vor Betrugsversuchen wie dem „Romance Scamming“, gefälschte Profile, über die früher oder später versucht wird, Geld zu ergaunern. Oder Chatbots, künstliche Intelligenz, die wie ein Mensch kommuniziert. Unerwünschte, rein sexuelle Nachrichten wie Fotos mit erigierten Geschlechtsteilen, sogenannte Dick Pics, würden inzwischen von den Anbietern zwar besser gefiltert, sind aber nach wie vor ein Problem.

Vom Kontakt bis zum Treffen

Ist die Kontaktaufnahme von beiden Seiten erwünscht und sind die ersten Nachrichten ausgetauscht, stellt sich die Frage, ob daraus ein Treffen im „echten Leben“ wird. Im Rückblick fragt sich Renate Kaiser, ob sie sich am Anfang vielleicht zu viel hat gefallen lassen. Falsche Höflichkeit und vermeintlich gute Erziehung hätten ihr im Weg gestanden. Der eine oder andere „Dampfplauderer“ sei dabei gewesen. Einmal wollte sie ein Mann im Auto unvermittelt küssen. Ein anderes Mal flog sie für das erste Date nach Zürich, verbrachte den Abend in der Wohnung des Mannes, den sie gerade erst kennengelernt hatte. Der Blick von der Terrasse war toll, das Date eher mau. Sie verabschiedeten sich, ohne sich näher zu kommen. Im Nachhinein fragt sie sich, ob das nicht doch zu leichtsinnig gewesen sei.

Sie lernte mit jedem Date dazu, hielt sich künftig an ein paar einfache Sicherheitsregeln und versuchte, im Vorfeld mehr Klarheit zu schaffen. „Wenn das Telefonieren schon eine zähe Angelegenheit ist, wird es beim Essen nicht besser“, sagt sie. Und rät: Erstmal nur auf ein Getränk verabreden.

Selbstwert und die Angst vor Einsamkeit

„Es ist wichtig, den eigenen Selbstwert zu kennen, bevor man auf die Pirsch geht. Ich bin, wie ich bin, und der Mann, den ich date, hat das zu schlucken“, erzählt sie. Trotzdem erlebte sie Liebeskummer. Trotzdem unterlief ihr manche peinliche Verwechslung, weil sie den Überblick verloren hatte. Dass es den Männern ähnlich ging, merkte sie, wenn sie etwa fälschlich mit Sabine angeschrieben wurde.

„Das Online-Dating ist oft ein Wechselbad der Gefühle“, sagt Aretz. Viele frustrierende Erlebnisse führen zu Erschöpfung. Anfänglich, wenn Nachrichten getauscht werden, sei der Kontakt nicht besonders reichhaltig, weil Gestik und Mimik fehlen. Aretz: „Das füllen wir schnell mit unserer Fantasie. Wenn man sich dann trifft, zerplatzt diese Seifenblase ganz schnell.“ Deshalb rät sie vorab zu einem Anruf oder einem Videotelefonat. Schlimm sei die Enttäuschung, wenn das Gegenüber plötzlich „Ghosting“ betreibt: sich ohne Erklärung zurückzieht und nicht mehr erreichbar ist.

„Wenn das Telefonieren schon eine zähe Angelegenheit ist, wird es beim Essen nicht besser“

Renate Kaiser, Autorin

Tendenziell sind Männer eher auf der Suche nach amourösen Abenteuern. Für viele schwingt trotzdem die Hoffnung mit, nicht allein zu bleiben. Dirk Omlor hat seine Erlebnisse ebenfalls in seinem Buch „Ein Hamster gegen Einsamkeit“ verarbeitet. Er beschreibt eine emotionale Achterbahnfahrt und einen regelrechten Kater, wenn bei einem Date die Fantasie auf die Realität traf. Gut zwanzig Treffen lagen hinter ihm, als auch er schließlich eine neue Partnerin fand.

Angenehm findet er, dass Frauen in seinem Alter ganz genau sagen würden, wonach sie suchen, auch wenn das zu skurrilen Situationen führte. Für einen Besuch im Swinger-Club etwa stand er nicht zur Verfügung. Bei der bildhübschen Frau mit drei Kindern von drei verschiedenen Männern habe er kurz Panik bekommen. In jedem Fall hielt er sich aber an seine Vorsätze: Ehrlichkeit, Höflichkeit und Respekt. Aretz rät ausdrücklich, offen zu sagen, wonach man sucht. Nicht jeder suche unbedingt die „Liebe des Lebens“. Eine gute Zeit haben, nette Menschen treffen, Verlässlichkeit und gemeinsame Aktivitäten seien häufige Motive.

Kontakteknüpfen geht auch ohne Internet

Für Stephan Müller (Name geändert) war das Online-Dating „der Einstieg ins Wieder-Single-Sein“ nach einer dreißigjährigen monogamen Ehe. Mittlerweile habe er festgestellt, dass ihm das Kontakteknüpfen „offline“ deutlich besser liege. „Ausgehen, offen sein, Leute ansprechen: Das kann man auch mit über siebzig noch“, sagt er. Bei der Kommerzialisierung der Partnersuche drohe etwas verloren zu gehen: „Dieses Swipen ist doch ziemlich beliebig.“ Außerdem habe er sich mit einem Freund verglichen, der deutlich mehr Dates hatte. Das sei nicht so gesund gewesen, er habe an seiner Attraktivität gezweifelt. Single-Partys, Karneval und auch viele Veranstaltungen für Ältere: Derzeit komme er gut ohne die Online-Dienste zurecht. Er will aber nicht ausschließen, dass er irgendwann wieder auf sie zurückgreift.

„Das Online-Dating ist oft ein Wechselbad der Gefühle.“

Prof. Wera Aretz, Dating-Expertin und Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius

Für Renate Kaiser war das Offline-Dating keine Alternative. Zum Ansprechen fehlte ihr – und dem Gegenüber – meistens der Mut. „Obwohl ich sonst eine große Klappe habe. Wir haben doch alle Angst, zurückgewiesen zu werden“, sagt sie. Aufgegeben hat sie das Online-Dating deshalb nie. Vermissen tut sie es aber auch nicht. Kein Wunder, denn am Ende stand der Richtige vor ihr. „So einer war bei den vierhundert nie dabei. So einen finde ich nicht mehr“, davon ist sie überzeugt.

INFORMATIONEN

Anmeldung und Registrierung sind bei fast allen Partnerbörsen kostenlos. Aber nur mit bezahlten Mitgliedschaften kann man Fotos sehen und aktiv Kontakt aufnehmen.

Auswahl an Partnerbörsen:

www.parship.de
www.elitepartner.de
www.zweisam.de
www.c-date.de
https://lemonswan.de
https://tinder.com
www.freizeit60plus.com

Persönliche Treffen

In drei verschiedenen Bars lernen Singles bis zu 18 Gleichgesinnte kennen.

Nächste Termine 2026:
Fr, 16.10., ab 19 Uhr, 19,90 Euro (zuzüglich der eigenen Getränke)
Anmeldung: https://face-to-face-dating.de/koeln

Speed-Dating in einer Kneipe. Man spricht in jeweils sechs Minuten mit zwölf Menschen. Nur bei gegenseitigem Interesse gibt es die Kontaktdaten.
Termine (50- bis 65-Jährige): Do, 19.11., 19.30 Uhr, 29 Euro
Anmeldung: www.speeddating-xxl.de

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Tags: Betrugsmasche , Beziehung , Einsamkeit , Köln , Kontakte knüpfen , Liebe , Online-Dating , Partnerbörse , Partnersuche , Sexualität , Verabredung