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Vereine / Organisationen

Nie zu alt für strategische Züge

Roland Meurer · 30.01.2026

Im SeniorenNetzwerk Sülz/Klettenberg ist Schachspielen ein vergnüglicher Zeitvertreib. Foto: Roland Meurer

Im SeniorenNetzwerk Sülz/Klettenberg ist Schachspielen ein vergnüglicher Zeitvertreib. Foto: Roland Meurer

Schach trainiert Konzentration, Kreativität und Vorstellungskraft und es schafft Austausch – für Jung und Alt. In Kölner Schachvereinen und Treffs findet jeder passende Spielpartner.

Entschlossen zieht Thanh Vinh Tong den schwarzen Turm nach links, tippt auf die digitale Schachuhr neben dem Schachbrett, die seine Bedenkzeit stoppt und gleichzeitig die seines Gegners startet.

Tong ist mit zwölf Jahren der jüngste von zehn Teilnehmern beim Schnellschachturnier der Schachfreunde Köln-Mülheim. Der Kölner Gymnasiast ist zum ersten Mal bei einer Veranstaltung des Vereines zu Gast, Mitglied ist er nicht. Seine Mutter begleitet ihren schachbegeisterten Sohn überallhin. Vor drei Jahren habe er angefangen, Schach zu spielen, sagt sie. „Heute spielt er das erste Mal gegen die Uhr.“

Mitglied im Schachverein

„Eine Mitgliedschaft ist auch nicht unbedingt nötig“, sagt Vereinsvorsitzender Jens Messerschmidt, der sich an diesem Tag über weitere Gäste beim vereinsinternen Schnellschachturnier freut. „Bei uns ist jeder willkommen, auch zu normalen Spielabenden.“ Es gebe keine Altersbeschränkung, auch das Spielniveau spiele keine Rolle, sagt Messerschmidt.

Unter den Turniergästen ist auch der Kölner Walter Schiele (70), der sich wieder dem Schachspiel widmen und „was für den Kopf tun“ will, wie er sagt. Und das geht mit Schach sehr gut. Bei dem über 1.500 Jahre alten, aus Indien stammenden Brettspiel müssen Strategie und taktische Züge weit im Voraus ge- plant werden. Der „Denksport“ schult Konzentration, Kreativität und Vorstellungskraft, trainiert also wunderbar die „grauen Zellen“. Und bringt dazu Menschen auf der ganzen Welt zusammen.


Mit Strategie zum König. Foto: Agzam / Pixabay

Turnierspiel zwischen jung und alt

Beim Mülheimer Turnier werden sieben Partien pro Spielabend nach dem „Schweizer System“ gespielt. Zunächst sind die Paarungen zufällig gemischt, im Turnierverlauf werden die Teilnehmer mit ähnlicher Leistung gepaart. Bei der Schnellschachvariante hat jeder Spieler zwölf Minuten Zeit, um die Partie zu beenden. Beim „Blitzen“ oder Blitzschach, einer anderen Spielvariante, hat man nur fünf Minuten Bedenkzeit. Mehr als fünfzig Mitglieder im Alter zwischen sechs und siebzig Jahren zählt der Mülheimer Schachverein aktuell. „Davon sind rund die Hälfte Kinder und Jugendliche“, berichtet Jugendbetreuer Thomas Kirfel.

Immer donnerstags begeistert er Einsteiger für den Denksport, bringt ihnen die Schachregeln bei. Fortgeschrittenen Spielern gibt er Tipps zu Schacheröffnungen, zum Mittel- und Endspiel, analysiert Partien, Spielzüge, erklärt Strategien. Der Kölner Schachverband ist „mit rund 2.000 Mitgliedern aus 29 Vereinen einer der größten Verbände in NRW“, wie deren Vorsitzender Jürgen Leistenschneider bestätigt. Doch auch wenn es vereinzelt Mädchen- und Frauenschachvereine und sogar eine eigene Frauenbundesliga gibt: Nur etwa jedes zehnte Mitglied im Deutschen Schachbund ist weiblich.

„Im Kölner Verband trennen wir nicht nach Geschlechtern“, sagt Leistenschneider, und räumt mit dem Vorurteil auf, im Schachsport würden überwiegend Senioren grübelnd vor den Spielbrettern sitzen. „Alle spielen gemeinsam, unabhängig von Alter und Geschlecht“, betont er. Dennoch gibt es Wettbewerbe nur für Senioren, beispielsweise eine offene Senioren-Weltmeisterschaft, die der Weltschachverband FIDE jährlich veranstaltet.


Die Stadtteilbibliothek Chorweiler bietet ein Schachangebot in den Ferien. Foto: Roland Meurer

In Clubs, SeniorenNetzwerken – überall

Aber auch außerhalb von Vereinen gibt es viele Möglichkeiten, dem Denksport nachzugehen. Vom Anfänger bis zum alten Schach-Hasen trifft man sich in Schachclubs, Bürgerhäusern und einigen SeniorenNetzwerken. So auch im Sülzer Netzwerk, wo sich eine gemütliche Runde regelmäßig trifft. „Anders als in vielen Vereinen gibt’s bei uns keine Turniere, keinen Leistungsdruck und auch keine ‚Bibliotheksruhe‘ während des Spiels“, erzählt Hubert Dase, der die Gruppe betreut.

„Wir sehen das hier alles etwas lockerer“, sagt er. „Bei uns wird gespielt, aber auch geklönt, gelacht und gelästert. Und Witze erzählt – auch zwischen den Zügen.“ Egal also, ob man nun an Turnieren teilnimmt oder einfach nur Spielspaß mit Gleichgesinnten hat, ob klassisches Schachspiel, Blitz-, Schnell-, Tandem- oder Simultanschach … Am Ende ist der König schachmatt und die Revanche mit den Spielpartnern schon ausgemacht.

Kölner Schachverband von 1920
Vorsitzender Jürgen Leistenschneider
Tel. 0170 / 847 43 61
www.koelner-schachverband.de

Schachfreunde Köln-Mülheim e. V.
Interkulturelles Zentrum
Kalk-Mülheimer Str. 318
Tel. 01578 / 953 30 27, Jens Messerschmidt
Jeden Donnerstag, 18–22 Uhr.
www.sfkm.de

Offene Schachtreffs
SeniorenNetzwerk Sülz/Klettenberg
Jeden Dienstag, 13–15 Uhr.
Anmeldung: Tel. 0151 / 20 56 85 09, Hubert Dase

SeniorenNetzwerk Porz/Eil
Begegnungszentrum Porz der Synagogen-Gemeinde Köln
Jeden Mittwoch, 14.30–17.30 Uhr.
Anmeldung: Tel. 02203 / 20 15 54

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Tags: Generationen , Schach , SeniorenNetzwerke , Training , Verein

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